Sabeth Buchmann: Rehearsing Critique

Vortrag
Sabeth Buchmann: Rehearsing Critique
Dienstag, 16. Juni 2015, 19 Uhr, Aula

Sabeth Buchmann, art historian and critic, Berlin/ Vienna, Professor of the History of Modern and Postmodern Art at the Academy of Fine Arts, Vienna. Her publications include: Co-ed. Texte Theorien der Moderne. Alois Riegl in der Kunstkritik (with Rike Frank), Berlin: b_books/ PoLyPen, 2015;  Hélio Oiticica, Neville D'Almeida and others: Block-Experiments in Cosmococa (2013) with Max Jorge Hinderer Cruz (co-author), Film Avantgarde Biopolitik (ed. with Helmut Draxler and Stephan Geene, 2009). Denken gegen das Denken. Produktion – Technologie – Subjektivität bei Sol LeWitt, Yvonne Rainer und Hélio Oiticica (2006), Art After Conceptual Art (ed. with Alexander Alberro, 2006), Co-ed. of PoLyPen (b_books, Berlin). Since 1997 Advisory Board Member of Texte zur Kunst (Berlin). 1983-2000: Member of the theatre author group minimal club (Munich/ Berlin)

Regeln des (Un-)Möglichen.
Zur Kunstpraxis der späten 1980er und frühen 1990er

Von der klassisch-avantgardistischen Frage nach der gesellschaftlichen Funktionsbestimmung von Kunst geleitet, wurde diese zwischen Mitte der 1980er und 1990er Jahre zum alles bestimmenden Gegenstand künstlerischer (Institutions-)Analysen. Die (mehr oder weniger gelingende) Offenlegung herrschender Normen und Gesetze ging dabei mit dem (mehr oder weniger gelingenden) Entwurf neuer Regelwerke und ‚role models’ einher: Zu nennen wären hier Christian-Philipp Müllers Kleiner Führer durch die ehemalige Kurfürstliche Gemäldesammlung Düsseldorf (1986), Andrea Frasers (Video-) Performances Museum Highlights: A Gallery Talk (1989) oder die neo-situationistischen ‚dérives’ der Betreiberinnen des Wiener Fanzines Artfan, Linda Bilda und Ariane Müller. Unter Bezugnahme auf damals populäre Methoden der Soziologie, social history, cultural studies und Psychoanalyse galt die Aufmerksamkeit dem übergreifenden Systems aus Produzent_innen, Rezipient_innen, Kurator_innen, Sammler_innen, Kritiker_innen, Kunsthistoriker_innen etc.. Als ein in diesem Zusammenhang bezeichnendes Beispiel kann Klaus Scherübels Projekt - Melvin (1993) - insofern gelten, als es die Mechanismen der (Künstler-)Kritik im Sinne wertgenerierender Legendenbildung zu antizipieren suchte. Der Vortrag geht anhand exemplarischer Arbeiten dem ‚(re-)making of rules’ als einer Praxis nach, die schließlich auch die Wechselwirkung von Institutionskritik und neoliberalen Unternehmenskultur berührt.

Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.